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Samstag, 14. Oktober 2017

Ein Tag, der unter die Haut ging

Ich wusste schon am Morgen, dass der Tag für uns, besonders für mich, nicht leicht werden würde, aber dass ich nach dem Verlassen des Gebäudes nur noch Rotz und Wasser heulte, hatte ich nicht gedacht.
Der Morgen begann wir jeder andere auch. Dann um 9.00 Uhr wurde wir mit dem TukTuk abgeholt. Unser Weg führte uns quer durch die Stadt, an schönen Parkanlagen, stinkenden Kreuzungen, kleinen Geschäften, Reisfeldern und Müllhalden vorbei. Wir sahen Barracken und Prachtbauten. Unser Fahrer schlängelte sich durch den Verkehr. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kamen wir an. Wir besuchten heute die "Killing Fields" Gedenkstätte. Diese ist die Geschichte eines Landes, dass ein viertel seiner Bevölkerung durch einen grausamen und, anders kann man es nicht sagen, Irren verloren hat. Das Grauen hieß Pol Pot. Er war der Anführer der "Roten Khmer". Er ließ alle Menschen, die irgendwie nach Bildung aussahen oder nicht seiner Meinung war, in Gefängnisse bringen und auf  bestialische Weise umbringen. Die Menschen wurden enteignet, es gab kein Geld und kein Besitz mehr für die Menschen. Die Wenigen ,die Ungebildeten wurden aufs Land geschickt. Dort mussten sie Reis anbauen für den Export. Im Gegensatz dazu verhungerte die Bevölkerung. Diese Gräueltaten geschahen in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Diese Gedenkstätte ist stellvertretend für die anderen Massengräber, die überall im Landes zu finden sind. Man schätz das etwa 100.000 Menschen auf diesen Feldern hingerichtet worden sind. Die anderen sind durch Hunger und Krankheit umgekommen. Das Schlimmste war aber, dass die Welt fast nichts unternahm. Die "Roten Khmer" unterhielten sogar diplomatische Kontakte. Es wurden Waffen eingesetzt, die in Deutschland gebaut worden waren. Spezialkräfte aus Großbritannien schulten und versorgten sie mit Landmienen. Noch bis 2007 waren 15% der Bevölkerung unmittelbar von diesen betroffen.
Nun standen wir hier, auf dem Gebiet, wo unzählige Massengräber entdeckt wurden. In einem Grab wurden 450 Menschen gefunden. Es waren nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Es gibt ein Gebäude/Turm in dem sind hunderte Schädel in mehreren Stockwerken ausgestellt. Als Mahnmal. Als ich diesen Ort verließ konnte ich nicht mehr innehalten.
Ich könnte noch Seitenweise darüber schreiben, wütend und traurig sein. Ich kann nur eins tun. Diesen Menschen mit Respekt begegnen und hoffen, dass sich ihr Land weiterhin so entwickelt wie bisher. Es ist schön zu sehen, wie die Jugend nach mehr strebt. Im Kopf sind sie auf jeden Fall in diesem Jahrhundert angekommen.
Und noch ein kleinen Lichtblick hatten wir heute. Nachdem wir die "Killing Fields" verließen. führte uns der Weg zu dem berüchtigten Gefängnis "S 21". Dieses ist jetzt ein Museum. Dort stand am Weg ein Tisch und dahinter ein alter Mann. Bou Meng, war sein Name, er und 6 weitere Menschen überlebten das Schreckensgefängnis. Nun saß er hier und verkaufte sein Buch und seine Bilder. 2 süße Kambodschanerinnen übersetzten fleißig und handelten um die Wette. Ein paar Meter weiter erstanden wir dann 2 Bücher über dieses Thema in deutscher Sprache.
Nach soviel Schrecken und Brutalität machten wir noch einen kurzen Abstecher zu einem Tempel, um runterzukommen.
Der Abend wurde dann wieder etwas erfreulicher und wir versuchten uns mit der Stadt zu versöhnen. Dieses Vorhaben klappte besser als wir dachten. Erst gingen wir feudal essen, an einem Straßenimbiss. Dort aßen wir Nudeln, die aussahen wie langgezogene Spätzle mit Gemüse. Max probierte den frischgepressten Zuckerrohrsaft. Das Essen war jetzt nicht so lecker wie Amok, aber es war okay und machte satt. Da wir nur sehr wenig für unser Essen bezahlt hatten, entschieden wir die Happy Hour an der nächsten Bar war zunehmen. Am Tag ist es in der Stadt nicht so doll, aber am Abend wird es dann richtig schön. Alles ist farbenfroh beleuchtet, vom Tonle Sap River weht eine leichte Briese über die Promenade. So saßen wir da und genossen das Treiben der Menschen auf der Straße. Frank bestellte sich ein Pitcher Bier, Max ein alkoholfreien Cocktail und ich einen Erdbeer-Daiquiri. Bekommen haben wir eine alkoholfreien Cocktail, ein Pitcher Bier und ich einen Cafe-Cocktail. Okay, der war auch lecker. Max gab mir noch ein bisschen von seinem ab, damit es ein wenig fruchtiger wird in meinem Mund. Wir beobachtet, wie einige ältere Herren in Begleitung von jungen, kambodschanischen Damen waren. Wie es zu diesen Konstellationen kommen kann, darüber kann sich jeder seinen eigenen Reim machen. Frank wurde, in unserer Abwesenheit auch schon durch Gestik gefragt, ob er Interesse hat. Er meine nur zu mir, was soll er mit einer asiatischen Blume, wenn er eine deutsche Eiche haben kann.
Dann gingen wir noch ein paar Stockwerke in dem Gebäude nach oben. Dort war noch eine Bar mit Live-Musik. Frank bestellte sich ein Bier, oh wunder und ich für Max und mich einen alkoholfreien Cocktail. Wohlgemerkt einen. Es war noch Happy Hour, das konnten wir uns nicht entgehen lassen.
Und was kam? Ein Bier und 2 Cocktail. Ich sagte zu Frank, das wir zum Glück noch etwas länger in Kambodscha sind, dann üben wir das so lange bis das klappt. Ich werde berichten, wenn ich das bekomme , was ich bestellt habe. Die Aussicht von hier oben war super und die Musik auch und deshalb verweilten wir ein bisschen länger. So nahm der Tag doch noch ein schönes Ende.































1 Kommentar:

  1. Ihr habt uns nicht vergessen! Südafrika sagt DANKESCHÖN für die Travel Heart Fotos!!!!!

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